Endlich mal wieder eine Sau im Klosterwald erlegt!

Im letzten Jagdjahr hatten wir im Klosterwald keine einzige Sau erlegt. Er war aber auch nicht viel los. Sporadisch war mal die andere oder andere  durchmarschiert, aber es war  nichts Ständiges an den Kirrungen.  Ansitzen war da nicht angesagt, also ging das Jagdjahr auch ohne Saubeute zu Ende.

Im neuen Jahr 2016/2017 kamen die Sauen pünktlich mit der Maisreife in den Klosterwald. Die ersten Fährten verrieten ihr Dasein und sie besuchten zielgerichtet die beiden an den Wald angrenzenden Felder. Fährten, die aber wegen des trockenen Bodens nur sehr schwer ausgemacht werden konnten, bestätigten die Anwesenheit. Die umgebrochenen Maisstengel und die Losungen waren weitere Indizien. Wir reagierten sehr schnell und stellten vor der Längsseite des einen Feldes eine unserer mobilen Kanzeln hin.  Wir sind mehrere Nächte abwechselnd angesessen, aber nichts war´s. Die Sauen hörten wir zum Teil schmatzen und wie sie Maisstengel umbrachen, aber zu sehen war nichts. Einmal hatte Florian die Chance, als sie kurz aus dem Feld herauskamen, aber sie waren zu weit weg. Die Mondphase war vorbei, dann waren sie auch wieder mal verschwunden. Es gab keine großen Schäden in den beiden Feldern. Die Tage und Wochen vergingen, immer wiedermal schauten wir was los ist, aber nichts Aufregendes passierte und dann wurden die Felder Mitte Oktober abgehäckselt.  Wir waren zwischenzeitlich aber an anderen Stellen aktiv und es gelang uns auch, dass Florian 2 Sauen und ich eine erlegten. Immerhin gingen wir in dieser aktiven „Sauenzeit“ nicht ganz leer aus.

Die besagten Felder wurden vom Landwirt bearbeitet und mit einem Wintergetreide frisch angesät und wir behielten sie im Blick, da es bekanntlich so ist, dass sie in dieser Phase gerne von den Sauen aufgesucht werden. Die Reste der Maiskolben wurden beim Pflügen entsprechend in den Boden verarbeitet und die Sauen lieben  es diese dann irgendwann wieder heraus zu wühlen um dabei die frische Saat zu Nichte zu machen.

Es blieb aber vorerst ziemlich ruhig. Au den Feldern war nichts zu sehen und auch im Klosterwald nicht. Wer weiß wo sich die Sauen wieder herumtreiben. Na ja auch gut. Zeit um einige Ansitze auf das Rehwild zu machen und die Strecke noch erhöhen um den Ansprüchen, was die Verbisssituation anbetrifft,  der Revierförster gerechter zu werden. Es gelang uns auch das eine und andere Stück zu erlegen.

Doch dann, mit der wiederzunehmenden November Mondphase waren die Sauen plötzlich von heute auf morgen wieder im Klosterwald. Eindeutige Fährten und die Annahme der Kirrungen bestätigten dies. Jetzt hieß es jeden Tag Kontrolle der beiden Kirrungen. Jeden Abend unter der Woche nach pünktlichem Feierabend nach Hause, den Hund mitnehmen und die Kontrollgänge machen. An den Wochenenden war dann sowieso genügend Zeit dafür. Und es lohnte sich. Die Kirrungen wurde zwar täglich regelmäßig aufgesucht, aber wie so oft waren die sauen zu ganz unterschiedlichen Zeiten da. Mal kurz vor Mitternacht, dann wieder früh am Morgen, einmal sogar kurz nach 20 Uhr.  Also noch immer sehr unsteht. Aber nichts desto trotz wir sind dann mehrmals angesessen. Florian an der Grenzkanzel und ich oben auf der 9d-Kanzel. Beides sind ausgesprochen gute Plätze mit Ansitzkanzeln in denen man es auch einige Stunden aushalten kann. Wir beschränkten die Ansitze zeitlich unter der Woche auf etwa 1:00 Uhr, da wir ja schließlich am folgenden Tag jeweils zur Arbeit mussten. Mit dem Freitag kam das Wochenende und an diesem Abend wollte ich es besonders lang aushalten. Allerdings waren die Sauen in den letzten Tagen nicht immer an der Kirrung, was aber auch nichts zu bedeuten hatte. Das hatten wir auch schon öfters, dass es mal Pausentage bzw.-nächte gab.  Man muss ja schließlich auch mal ansitzen wenn sie nicht da waren, denn es kann ja immer sein dass sie dann in der nächsten Nacht kommen.

Sau Jagd

Seit längerem schon hatten wir einen Bekannten und von mir sogar einen Arbeitskollegen der leidenschaftlicher und professioneller Angler ist. Mit seinem eigenem Boot, das er am Bodensee hatte und den entsprechenden Lizenzen hatte er ebenfalls ein sehr interessantes und ebenso zeitintensives Hobby wie wir. Er wohnt auch noch im gleichen Ort wie wir und so ergab es sich, dass wir uns öfter über Jagdliches- und Fischereiinteressantes  austauschten. Wir durften auch schon mit ihm und einen ganzen Tag lang mit seinem Boot über den Bodensee schippern und „schleppen“. Schade dass wir nichts gefangen haben, aber das ist so wie bei der Jagd auch. Du sitzt und sitzt und es geht halt nichts. Aber es war für uns eine toller Tag an dem wir mal erlebt haben wie aufwendig und interessant es ist wenn ein Profi Angler auf Fischjagd geht. Im Gegenzug hatte mich eben der gute Bekannt schön öfter gefragt ob er mitansitzen darf. Natürlich darf er und wir hatten auch einige gemeinsame Ansitze hinter uns, allerdings ohne nennenswerten Anblick.

Und nun zurück zu dem zweiten  Freitag im November kurz vor Vollmond. Es hatte zwar die Tage zuvor mal ein bisschen geschneit, aber kaum der Rede wert. Einzelne kleine Schneeflecken gabs noch in den Waldschneisen und an den Kirrungen, aber das Licht reichte auch so. Der Wetterbericht hatte nochmal leichten Schneefall gemeldet und der kam auch.  Also beste Bedingungen und um 19:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zu den Ansitzplätzen.

Thomas und ich pirschten leise zur ca. 250 m weit entfernten Ansitzkanzel. Lautlos besetzten wir gegen 20:00 Uhr die Kanzel und richteten alles für den lang geplanten Ansitz ein. Leise flüsternd unterhielten wir uns über das Eine und Andere und ich erklärte meinem Kollegen, dass er absolut ruhig sein muss falls etwas zu vernehmen oder gar anwechseln würde. Gegenseitige kurze Körperberührung mit dem Ellenbogen, als Zeichen, dann nicht mehr vermucksen war die Devise.

Dann herrschte Ruhe. Herrlich wie man diese wahrnimmt. Man hört jedes Geräusch, ob im Wald oder die Autos auf den Straßen oder die Kirchenuhr. Es schneite leise und es wurden optimal Bedingungen. Man konnte da draußen an der Kirrung alles bestens erkennen, allerdings tat sich nichts. Dann um 21:00 Uhr vernahm ich deutliches Knacken vor uns in der Dickung. Kurzer Ellenbogencheck für meinen Kollegen. Der schaute gespannt durch das Fernglas. Ich war mir sicher, das da etwas durchzog, ich nahm das Gewehr in Halbanschlag und betrachtete jeden Zentimeter vor uns auf der Fläche. Aber nichts tat sich. 15 Minuten waren um, 30 Minuten um, nichts. Das Gewehr legte ich wieder an die Seite. Hat es getäuscht? Eigentlich nicht, zumal Thomas auch etwas gehört hatte. Aber es war und  blieb still. Die Kirchturmuhr schlug gerade 22:00 Uhr. Mein Blick ging immer wieder über die freie Fläche und dann sah ich am linken Rand an der Dickung einen dunklen Schatten. War der vorher schon ? Ich war mir nicht sicher. Mein Blick blieb an der Stelle und dann bewegte sich dieser Schatten etwas nach rechts. Optische Täuschung? Nein das war eine Sau die da ganz leise still und heimlich plötzlich erschien. Mein Griff ging zum Gewehr, gleichzeitig ein leichter Rempler an Thoms Hüfte. Der hatte das Glas schon oben. Das Gewehr in Anschlag, Leuchtpunkt aktiviert, Stecher ganz vorsichtig nach hinten und durch das ZF auf den dunklen Punkt fahren. Da stand sie spitz von uns weg. So klein war die nicht, dachte ich, während ich durch das ZF die Sau beobachtete. Komm dreh dich, stell dich breit waren meine Gedanken. Es dauerte ein paar Sekunden, dann drehte sie sich und bewegte  sich aber wieder spitz auf uns zu. Ich fuhr mit. Der Leuchtpunkt tanzte auf der Sau herum. Dann bog sie rechts ab, stand breit , ich hielt aufs Blatt und dann krachte die 6,5 x 57. Sofort repetiert, noch geblendet durch das Mündungsfeuer sah ich schemenhaft wie die Sau dort unten lag, sich allerdings noch strampelnd bewegte. Ich hielt weiterhin auf die Sau, währen Thomas schon rief, die liegt, ja, ruhig, warten, sagte ich. Aber nach ein paar Sekunden war es ruhig und still. Ich löste mich von meinem Gewehr und sagte völlig angespannt: die liegt, verdammt die Sau liegt. Ich stieß meinem Kollegen in die Rippen und rief: Thomas wir haben eine Sau erlegt. Ich freute mich riesig. Auch er war begeistert und meinte: die hast du aber gut getroffen. Ja, das hat gepasst. Schon oft waren wir beide angesessen, hatten nichts gesehen und heute haben  wir eine Sau erlegt.

Ich kramte mein Handy hervor und musste Florian Bescheid geben, der ja ca. 500 m weiter unten auch ansass. Ich schrieb lieber eine sms: Sau liegt, statt gleich anzurufen, wer weiß ob bei dem nicht gerade etwas anwechselte oder gar an der Kirrung war. Die sms war weg, da rief er aber auch schon an. Kurzer Austausch und er wollte gleich vorbeikommen um zu helfen. Ich schaute immer wiede aus der Kanzel auf den Platz und versuchte die Größe einzuschätzen. Ja so um die 35-45 Kg schätzte ich wir sie schon haben. Wir packten unsere Sachen und gingen von der Kanzel. Vorsichtig näherten wir uns der Sau. Als wir direkt vor ihr standen Blick ins Gebräch: Überläufer Keiler aber sicher mehr als 50 Kg. Wir warteten bis Florian durchs Unterholz zu uns kam. Na ihr Oberjäger: Weidmannsheil, waren seine lachenden Worte, das habt ja richtig gut gemacht. Er begutachtete das Schwein und meinte ja nicht schlecht, sauberer Blattschuß: Vatter, das hast du wieder mal gutgemacht lobte er mich. Ja ich war auch sehr zufrieden. Florian überreichte den Bruch und dann gings an die Arbeit, die Sau ca. 300 m weit zum Auto zu schleppen. Auf der feinen Schneedecke ging es relativ gut voran. Trotzdem mussten wir die eine und andere Pause einlegen und uns mit den Seiten abwechseln. Mein Kollege trug unsere Sachen und die Verantwortung und erhellte uns den Weg. Am Auto angelangt wurde die Sau verladen und dann gings ab nach Hause in die Wildkammer, wo die rote Arbeit verrichtet wurde. Vorher wurden aber noch einige Bilder geschossen, damit die Erinnerungen auch bildhaft nachvollzogen werden können. Nach getaner Arbeit ging es zu unserm Altjäger Erich in die Küche wo der Schwarzkittel mit kräftigem Weidmannsheil totgetrunken wurde und das Erlebnis ein noch paarmal erzählt wurde.

Heute ist der 28.11.2016 und die Geschichte wurde von mir wieder einmal niedergeschrieben.

Weidmannsheil Dietmar

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