Die 3. Sau im Klosterwald  und meine bisherige 10. insgesamt.

 

Es ist Ende Januar 2009 und dieser Winter hat bisher seinem Namen auch Ehre gemacht. Seit dem 21. November 2008 lag ununterbrochen Schnee, mal wurde es weniger aber es kam immer wieder mal eine Neue dazu, so dass auch ständig die frischen Fährten wieder ausgemacht werden konnten und man „sah“ immer recht gut was im Revier los war. Der Rehabschuß war erfüllt, den einen oder anderen Fuchs hatte ich auch schon erlegt, so dass jetzt die Zeit für weitere dieser schlauen Burschen oder gar Sauen kommen kann. Immer mal sporadisch hatte ich eine ganz besonders starke Sauenfährte ausgemacht, wohl ein Keiler der zufällig mal auf seinen Wanderungen seinen Weg auch in oder durch den Klosterwald fand und mal an den beiden Kirrplätzen „vorbeischaute“. Aber in der letzten Januarwoche habe ich beständig eine weitere etwas schwächere Fährte an den Kirrungen gesehen. Die Plätze wurden zwar fast täglich angenommen, aber immer zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Daran festzustellen dass an einem Platz die angebrachte Wilduhr abzulesen ist. Den Tritten nach vermutlich auch ein einzeln gehender Keiler.

Es kam das 1. Wochenende im Februar und am Sonntag wollte ich mal auf Sauen ansitzen. Die umgekippte Wilduhr zeigte tags zuvor 20:50 Uhr an, also eine gute Zeit um eventuell einen mehrstündigen Ansitz bis dahin auszuhalten. Also am Sonntagabend um 19:00 Uhr mit Sack und Pack ins Revier gefahren, die 500m bis zur Kanzel gepirscht und dort gut eingerichtet auf die Sauen warten. Kaum sass ich, als ein Fuchs über den Kirrplatz schnürte und nach Fressbarem suchte. Aber er verschwand recht schnell wieder und die Bühne war wieder leer. Es tat sich nichts. Es war saukalt, es fiel etwas Schnee, und das Licht (2 Tage vor Halbmond) reichte allemal, aber allzu lange wollte ich nicht ansitzen. Um ca. 21:30 Uhr kam erneut ein Fuchs und diesmal wollte ich ihn nicht ungeschoren davonkommen lassen. Also mit der .30-06 auf ca. 70 m geschossen, der Fuchs aber ist blitzschnell weg, zu hastig geschossen, vorbei ? Daraufhin abgebaumt und nach dem Anschuß sehen der direkt neben der Kirrung sein musste. Nichts ausser der Fluchtspur des erschrockenen Fuchses, keine Schusszeichen. Aber was ich sehe ist, dass der Kirrplatz schon von der Sau zerwühlt war Die Uhr lag frei da und ich dachte nur, das gibt’s doch nicht, ich hatte doch nicht geschlafen. Also Uhrzeit nachschauen und da sehe ich die Zeiger auf 18:45 Uhr stehen. Da ist die Sau doch tatsächlich so früh dagewesen und ich war noch unterwegs ins Revier. Vielleicht hat sie mich auch herfahren hören und ist dann rechtzeitig wieder weg. Pech gehabt. Die Uhr habe ich auf alle Fälle wieder aktiv gestellt und abgedeckt und dann ab nach Hause.

Am Montag bin ich frühzeitig ins Büro, damit ich abends ca. 16 Uhr noch kurz ins Revier gehen kann um nach den Kirrungen zu schauen. Die Uhr lag doch tatsächlich wieder da und diesmal war die Sau nochmals um 22:45 Uhr am Platz also gerade mal eine Stunde nach meinem Verschwinden gestern Abend. Alles wieder aktiviert und mit mir vereinbart, dass ich nachher gegen 18 Uhr auf der Kanzel bin. Zu Hause noch schnell Abendessen eingenommen und dann los. Um 18:15 Uhr sass ich fertig eingerichtet auf der „9d-Kanzel“. Heute war es nicht mehr ganz so kalt, aber es wehte ein frisches Windchen genau ins Gesicht. Westwind ! Eigentlich optimal wenn die Sau/en vor mir aus den Dickungen kommen sollte/n. Also geduldig warten. Um 19 Uhr haben mich 3 Rehe gut 45 Minuten abgelenkt. Sie zogen völlig vertraut vor mir herum, immer wieder Apfeltrester äsend oder die Salzlecke anzunehmen.

Mittlerweile war es 20 Uhr und ich hörte jede viertel Stunde die Kirchenuhr schlagen. Die Rehe waren inzwischen weitergezogen. Da sehe ich etwas an der linken Kirrung, da kommt was, Glas hoch, aber erneut ein Reh. Kamen die drei wieder, nein bis auf das eine nichts zu sehen. Eventuell ein Bock, aber das konnte ich bei dem Licht doch nicht sehen. Nach ca. 10 Minuten zog es weg. Wieder alleine und Stille um mich herum. Die Kirchenuhr schlägt 21 Uhr. Ein Marder sauste unten um die Kirrung herum und ich schaue ihm eine ganze Weile zu. Flink sind die kleinen Kerle und interessant zuzusehen wie beschäftigt er war.

unsere-reviere

Es war mir also nicht zu langweilig an diesem Abend und ich dachte heute bleib ich bis 22 Uhr auf jeden Fall, mal sehen wie es mir dann ist, um eventuell noch länger zu bleiben. Aber 4 Std. reichen auch dachte ich und wenn es in dieser Zeit halt nichts war mit den Sauen, dann gibt’s ja weitere Tage die genutzt werden können. Es geht halt nichts auf Bestellung bei der Jagd. Ich höre die Kirchenuhr 22 Uhr schlagen und denke so langsam ans  zusammenpacken und abbaumen.

Mit dem Glas schaue ich nochmal die vor mir liegenden Flächen und Dickungsränder ab. Nichts. Nochmal andere Seite, nichts, aber da plötzlich vernehme ich das typische Geräusch von Äste-Knacken schräg rechts in der Dickung neben mir. Sau(en) ? könnte sein, denn dieses Geräusch war eindeutig, trotz dicker Wintermütze über den Ohren. Mütze etwas hoch, ja da wieder und sogar das knirschen auf dem hart gefrorenem Schnee meine ich kurz zu vernehmen. Ruhig, ganz ruhig bleiben.

Das Glas zwischenzeitlich leise auf dem Teppich abgelegt und die linke Hand zum Gewehrschaft. Repetierer hochnehmen und nach rechts drehen, nur nichts berühren und gut festhalten. Nichts mehr zu hören vor mir, wars das ? Da zog eindeutig eine Sau durch die Dickung, das war mit klar. Ruhig bleiben und horchen und schauen. Die Augen am Dickungsrand entlang von rechts nach links und zurück. Und da, plötzlich löst sich ein Schatten, Sau, eindeutig zu sehen wie sie langsam auf den helleren Schnee zieht, groß, geräuschlos, vorsichtig, spitz auf mich zu. Blick durchs 8 x 56 ZF, das ist keine kleine Sau, die Rückenborsten eindeutig zu sehen und ein wuchtiger Körper. Das Absehen direkt auf dem Kopf, sie steht spitz, warten. Blick am ZF vorbei auf die Fläche ca. 60-70 m weit steht sie, da dreht sich die Sau nach rechts, steht breit, mit dem bloßem Auge zu sehen, den Wurf nach oben genommen, windet sie in meine Richtung. Die ist wohl sehr vorsichtig bevor sie an die Kirrung geht, um Frass aufzunehmen. Dann zielen, Absehen von unten nach oben in die Sau, auf s Blatt, ein klein wenig nach oben, da ich gerne etwas tief schiesse. Finger anlegen, Absehen steht, krümmen und „wumm“ die .30-06 kracht und mich blendet das Mündungsfeuer, repetiert, die Sau ist weg, horchen. Und es kracht in der Dickung, heftig, wild, und dann ist Ruhe. Ich denke ein gutes Zeichen, da die Geräusche an einem Platz waren und das ist bekanntlich bisher dann der Fall gewesen, wenn die Sau im Todeskampf nochmals ihre letzen Kräfte mobilisierte und dann verendet. Zigarette rauchen und Handy rausholen, um zu Hause Bescheid zu geben. Ich rufe meinen Sohn Florian an, der bekanntlich am Montag zu Hause ist. Ja er nimmt auch gleich ab und hört meinen Bericht, „auf Sau geschossen“ nimmt er überrascht entgegen. Wir vereinbaren das Übliche: erstmal ab nach Hause, dort alles für die Nachsuche vorbereiten, um gemeinsam nach ca. 1 Std. die Suche anzugehen. Ich zittere, bin aufgeregt, das war aber auch wieder so ne Sache.

Ich baume ab und schnell zum Auto. Etwas unsicher war während der Fahrt nach Hause. Dort angekommen großes Staunen von „Altjäger Erich“. Ja, wie, was, Sau gekommen und keine geringe, wie abgekommen usw. alles Fragen die dann gestellt werden. Ich war mir sicher, dass ich gut abgekommen  bin, aber die Zweifel ob sie liegt sind auch da. Florian beruhigt mich. Er weiss dass die Sauen dicke Schwarten haben, die sofort zumachen, die wird schon liegen meint er.  Dann alles mitgenommen was notwendig ist und ab ins Revier. Beim Anschuß mit der großen Lampe und dem besseren Licht ist schon mehr zu sehen, doch es ist schwierig, die Schußzeichen zu deuten, Schweißspritzer sind auf jeden fall zu sehen und wo die Sau in die Dickung ist erkennen wir auch, aber dann wird es schwierig. Unsere Hündin Kira haben wir aber vorsichtshalber noch nicht zur Suche genommen, sie muss erst noch warten. Zu gefährlich könnte die Sache sein, denn es folgt eine bürstendicke Dickung in der Florian und ich nur z. Teil auf allen Vieren weiterkommen. Nicht auszudenken die Sau würde nicht verendet sein, die Chancen bei einem Angriff  wären schlecht für uns, wobei wir immer noch das Nachsuchegewehr einsetzen könnten, aber für den Hund wäre es zu gefährlich. Also weitersuchen, Zentimeter für Zentimeter. Florian hat plötzlich „Sauengeruch“ in der Nase. Ich suche mit der Lampe ab, und da liegt sie vor uns ca. 3m. Vorsicht, aber sie ist verendet, ja sieht so aus, aber man weiß nie. Vorsichtig mit dem schussbereiten Gewehr näher. Sie ist tot. Den letzen Kampf in einer mehr als dichten Dickung. Und was für ein Sau ! Ein ziemlicher Kasten liegt da vor uns, die Waffen sind zu sehen, Keiler. Wo sitzt der Schuß? Bestens, Hochblatt, ein absolut guter Treffer. Die .30-06  hat ihre Wirkung gezeigt. Allerdings wie vermutet, der Ein-/Ausschuss ist sofort zugegangen, deshalb kein (fast) Schweiß, aber ein absolut tödlicher Treffer. Anruf beim „Altjäger zu Hause“ alles klar, Sau liegt brauchen ca. ½ Stunde bis wir kommen. Aber das sollte täuschen. Es galt nun die Sau aus der Dickung zu bekommen. Stricke hatten wir mit. Also anbinden und ziehen. Einfacher gesagt als getan. Die Sau hat wohl 60-70 Kg. Wir mussten Stück für Stück, Meter für Meter die Sau ziehen, immer wieder hochheben, weil sie sich „verfing“.

Plötzlich riss das kleine Seil ich flog völlig unkontrolliert nach hinten und schlug meinen Sohn hinter mir in der Dickung um. Scheiße verdammt, verdammt. schwierige Sache die Sau die ca. 20m aus diesem Dickicht zu bergen, wir wussten gar nicht recht wo wir waren und wo es langgeht. Und dann passieren immer so unvorhergesehene Dinge. Aber es gelang uns schließlich, die halbe Stunde war schon längst um und wir hatten noch ein Stück vor uns. Also weiter bis zum Auto ziehen, durch den Wald ca. 500m, aber das ging besser auf dem Schnee, und wir zogen sie einen Weg runter und machten lieber einen Umweg bis zum Auto. Dort erstmal verschnaufen. Die Sau hinten in den Suzuki gehievt, da war der Kofferraum voll, der Hunde hatte gar keinen Platz mehr , also vornerein zwischen die Füße von Florian, es ging, dann Heimfahrt. Zwischenzeitlich war eine gute Stunde um und es war nach Mitternacht. Der Altjäger Erich erwartet uns schon ungeduldig. Sau raus, aufbrechen und entspr. versorgen und wiegen, 60 Kg zeigte die Waage an. Wir waren geschafft. Dann genüsslich noch ein kräftiges Waidmannsheil bei Erich in der Küche und so gegen 02:30 Uhr ging es dann ins Bett. Dieses Jagderlebnis war Stoff genug für einen neuen Traum von der Jagd im Klosterwald und deren Faszination. Egal ob auf den roten Bock oder das Rehwild im Herbst/Winter, oder den Füchsen nachgestellt, dieses urige „kleine“ Jagdrevier hatte es in sich, Vielfältig, spannend  und traumhaft faszinierend. Und ab und zu ist  das Schwarzwild  zu Gast im Klosterwald und dann kommt das „Saufieber“ von neuem.

Waidmannsheil Dietmar Zimmermann      Februar 2009